Ohne Frage ist Melody Gardot eine echte Kämpfernatur. Von einem schweren Verkehrsunfall ließ sich die Amerikanerin nicht unterkriegen. Im Krankenhaus machte sie eine Musiktherapie und lernte, Gitarre zu spielen. Sie komponierte Songs, die ihr prompt einen Plattenvertrag einbrachten. Heute zählt die 27-Jährige zu den erfolgreichsten Jazzsängerinnen der jüngeren Generation. Sie wurde, wen wundert's, bereits für einen Grammy nominiert. Das mag auch an ihrer Eigenwilligkeit liegen. Sie liebt es, unbekanntes Terrain zu erkunden. Deswegen hat sie sich von ihren Reisen nach Portugal, Marokko und Südamerika zu ihrem dritten Album 'The Absence' inspirieren lassen: „Diese kulturelle Spurensuche war unheimlich spannend. Denn ich habe entdeckt, wie ähnlich sich die Musik all dieser Länder im Grunde ist.“ Daraus schlug sie Kapital und verordnete sich eine rundum gelungene Erneuerung. Ganz selbstverständlich verbindet sie Fado, Tango, Samba und afrikanische Klänge zu melancholischen Tagträumereien oder angenehm nostalgischen Fingerschnips-Rhythmen. Wer sich in den Sphären dieses Universums verloren hat, findet so schnell nicht wieder heraus. Denn Melody Gardots facettenreicher Gesang ist einfach unwiderstehlich. Mitunter wagt sie sich zum Blues vor, dann wieder gurrt sie ganz sanft: „Ich liebe es, mit meiner Stimme zu spielen und ihre gesamte Bandbreite auszuloten.“